Klimawandel und Ressourcenverknappung sind zentrale Herausforderung der Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft. Dies gilt gerade für Deutschland als eines der leistungsfähigsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Länder der Welt. Mit der Energiewende und dem Ausstieg aus der Kernenergie ist jetzt eine weitere Herausforderung auf dem Weg zu einer umweltverträglichen Energieversorgung der Zukunft dazu gekommen. (Foto: Rainer Sturm / PIXELIO)
Einsparungen im Energieverbrauch sind neben einem noch stärker zu förderndem Umstieg auf die erneuerbaren Energien ein bedeutender Schritt hin zu einer erfolgreichen Energiewende. Gerade energieeffiziente Maßnahmen bei der Planung und dem Bau von Neubauten und Sanierungsabsichten im Wirtschaftsbau können dazu einen nachhaltigen Beitrag liefern. Dabei müssen technische Innovationen und wirtschaftliche Lösungen den neuen Herausforderungen gerecht werden. Dies wird auch in der Regierungserklärung „Der Weg zur Energie der Zukunft“ vom 29. Mai 2011 unter anderem mit folgenden Aussagen dokumentiert:
„Die Bundesregierung wird für energieintensive Unternehmen umfassende Kompensationsregeln in Energie- und Klimafonds in Höhe von bis zu € 500 Mio. sowie gegebenenfalls auch darüber hinaus aus dem Bundes-haushalt vorsehen. Unser Ziel ist es, erneuerbare Energien schnell zur Marktkonformität zu führen und effizienter zu gestalten.“
Diesen Chancen und Herausforderungen müssen die Bauherren aus Industrie und Gewerbe sowie die planenden Ingenieure und Architekten gerecht werden. Deswegen informieren die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, der Verband Beratender Ingenieure (VBI), Landesverband Bayern und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei dieser Veranstaltung der IHK Schweinfurt über:
Ums Energiesparen und Finanzierungsmöglichkeiten ging es beim Energietag in München am Montag, den 30. Mai 2011.
Die Stadtsparkasse München hatte gemeinsam mit der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und dem Verband Beratender Ingenieure VBI zum Energietag München eingeladen. Rund 200 Gäste waren gekommen.
(Foto: Rainer Sturm / PIXELIO)
Kompetente Referenten zeigten, mit welchen Maßnahmen Wohnimmobilien zukunftsorientiert saniert, renoviert und modernisiet werden können und wie man dadurch langfristig viel Geld sparen kann. Zudem erhielten die Teilnehmer Informationen über Förder- und Finanzierungsprogramme.
Auf dem Programm standen unter anderem Vorträge von Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Sorge und Dipl.-Ing. (FH) Oswald Silberhorn. Professor Sorge referierte über nachhaltiges Bauen im Wohnungsbau , Herr Silberhorn stellte die Energieeinsparverordnung (EnEV) vor und ging auf das Thema Energieeffizienz und die Durchführung energiesparender Baumaßnahmen ein.
Ergänzend zu den Ingenieurvorträgen informierte die Stadtsparkasse über Baufinanzierung und die KfW stellt Fördermöglichkeiten vor.
Die Referenten sowie durch die Ingenieureakademie Bayern qualifizierte Energieberater vor Ort (Wohngebäude) standen den Besuchern für allgemeine Informationen und detailierte Auskünfte zur Verfügung.
Klimawandel und Ressourcenverknappung sind zentrale Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Die Verantwortung dafür kann und darf die Gesellschaft nicht an kommende Generationen weitergeben. Vor diesem Hintergrund werden Energieeffizienz und Nachhaltigkeit zu gewichtigen Themen beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden. Raumheizung, Warmwassererzeugung und Beleuchtung in Gebäuden machen etwa 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfs in Deutschland aus.
Aufgrund der ständig steigenden Energiepreise sind die Kosten für den Gebäudebetrieb zu einem bedeutenden Posten in den laufenden Kosten eines Unternehmens geworden. Etwa drei Viertel des Gebäudebestands in Deutschland wurde vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung gebaut und weitgehend auch noch nicht saniert. Neubauten oder energetisch sanierte Gebäude verbrauchen oft nur noch ein Fünftel der Energie unsanierter Bestandsgebäude. Unter Annahme einer rechnerischen Nutzungsdauer eines Gebäudes von 80 Jahren und einer Energiepreissteigerung von jährlich vier Prozent entfallen durchschnittlich nur etwa 20 Prozent der Kosten auf die Erstellung des Gebäudes, aber rund 80 Prozent auf die Nutzungskosten.
Notwendige Investitionen in die Energieeffizienz zahlen sich also aus. Der Einsatz innovativer, energieeffizienter Techniken und erneuerbarer Energien sowie die Verwendung von nachhaltigen Bauprodukte schaffen die die Grundlagen für nachhaltige Gebäude und Projekte.
Das Thema des Energietages Schweinfurt ist „Energieeffizienz und Nachhaltigkeit im Industrie- und Gewerbebau“:

Dass in energetische Sanierungen von Eigentumswohnanlagen die an der Planung und am Bau beteiligten Ingenieure frühzeitig einzubeziehen sind, wurde beim Informationstag zu dieser Thematik am 9. Oktober deutlich. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hatte zusammen mit dem Verband Beratender Ingenieure, dem Bayerischen Bauindustrieverband und der Sparkasse Nürnberg zu dieser Infoveranstaltung ins BauindustrieZentrum Nürnberg-Wetzendorf geladen. Rund 50 Interessierte, Verwalter und Verwaltungsbeiräte von Eigentumswohnungen, aber auch Bauingenieure, nahmen daran teil.
Auf die Aktivitäten der Ingenieurekammer in diesem Feld ging Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Schroeter ein. So beschäftigt sich der Ausschuss „Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im Hochbau“ mit dem 1. Vorsitzenden Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Sorge und 2. Vorsitzenden Dipl.-Ing. Dieter Rübel an der Spitze schon längere Zeit mit diesem Thema. Schroeter verwies auf die Ausbildung von Energieberatern und sah als Ziel dieser Veranstaltung, „Auftragnehmer und Auftraggeber zusammenzubringen“. Die Notwendigkeit energetischer Sanierung von Bauten hob auch Martin Schneider, Geschäftsstellenleiter Nordbayern des Bauindustrieverbandes, in seiner Begrüßung hervor. „Die Sanierung ist ein gewichtigerer Markt als die Neubauten“, meinte der BBIV-Vertreter.
Verantwortung für Eigentümer und Verwalter
In die Thematik führte der Moderator des Infotages Dipl.-Ing. Dieter Rübel ein. Die energetische Sanierung sei „erste Verantwortung für Eigentümer und Verwalter“, meinte Rübel und sprach von fünf bis sechs Millionen Eigentumswohnungen in Deutschland bzw. 700.000 bis 800.000 in Bayern. Darüber hinaus verwies er auf den Klimaschutz, das Einsparen von Energie und den Einsatz erneuerbarer Energien.
Richtige Kombination verschiedener Maßnahmen
Die Nutzung regenerativer Energien empfahl auch Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Sorge, der an der Fachhochschule Würzburg lehrt und ein Ingenieurbüro für Bauphysik in Nürnberg betreibt. Er ging in seinem Vortrag auf deutsche und europäische Verordnungen und Richtlinien der letzten Jahre bis zur 2012 neuen Energieeinsparverordnung ein. Dabei hob er besonders das Wirtschaftlichkeitsgebot und die Berechnung mit Referenzwerten bzw. das Referenzgebäudeverfahren hervor. Insgesamt empfahl Sorge „Gebäude mit ausgeglichener Energiebilanz“ und die „richtige Kombination der verschiedenen Maßnahmen“ etwa beim Einsatz regenerativen Energien. Grundsätzlich gelte es, jedes Gebäude individuell anzusehen und dementsprechend Konzepte zu erarbeiten. Bei der Ausführung von Untersuchungen sei, auch darauf verwies der Referent, eine Unternehmer- sowie Eigentümererklärung sinnvoll.
Nicht ohne Fachmann
Konkrete Projekte der energetischen Sanierung von Wohngebäuden stellte Dipl.-Ing. Stefan Schierer vom Ingenieurbüro Müller BBM vor. Er nannte aber auch Motive von Wohnungseigentümern für die energetische Sanierung ihrer Gebäude: gestiegene Verbrauchskosten, Steigerung des Wohnkomforts und damit des Gebrauchswertes. Die Sanierung einer Wohnanlage in München (72 Wohnungen, Anfang der 70er Jahre, 9700 Quadratmeter) sowie eines denkmalgeschützten Gebäudes ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt präsentierte er und ging dabei vor allem auf die Aspekte Wärmeschutz und -dämmung ein. „Die Begleitung durch einen Fachmann ist in jedem Fall notwendig“, riet Schierer.
Förderung und Finanzierung
Die Finanzierung und Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen beleuchteten Rainer Hörl (Leiter Vertriebsmanagement Aktivgeschäft) und Anton Kasak (Abteilung Firmenkunden Zentral Sonderfinanzierungen) von der Sparkasse Nürnberg. Sie verdeutlichten, dass eine Wohnungseigentümergemeinschaft als Kreditnehmer nur in Form der Eigenfinanzierung agieren könne und stellten den Verfahrensablauf in diesem Fall vor. Ferner erläuterten sie vor allem die Förderprogramme der KfW Bankengruppe (Kredit- bzw. Zuschussprogramme), die auch (energetische) Sanierungen enthalten.
Ständige Kontrolle kompetenter Bauleitung
Den Umbau eines Bürohochhauses („Living Tower Lyoner 19“) aus dem Jahr 1969 (14 Büroetagen) in ein modernes Wohngebäude (98 Wohneinheiten) mit Aufstockung um drei Etagen und Komplettsanierung, wobei vom alten Gebäude nur die Hülle stehen blieb, beschrieb Dipl.-Ing. (FH) Frank Maier, Projektleiter bei HOCHTIEF Construction AG, formart Rhein-Main. Er sprach von einer „extremen Variante einer Sanierung“ und zeichnete die einzelnen Schritte dieses Frankfurter Projektes nach. „Die ständige Kontrolle einer kompetenten Bauleitung ist nötig“, stellte Maier zusammenfassend fest.
Tipps für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG)
Tipps für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) bei der Beschlussfassung, Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur energetischen Sanierung hatte Dipl.-Ing. (FH) Andrea Huss, Geschäftsführerin der Archi.Net Ingenieur-Service GmbH aus Icking, für die Tagungsteilnehmer parat. Sie zeigte die Schritte von der vorbereitenden Planung der Maßnahme, über die bauliche Instandsetzung, die Planungs- und Bauphase bis hin zur Abnahme und Dokumentation mit den jeweiligen Arbeiten und Anforderungen auf. Huss machte deutlich, dass die Herausforderungen bei diesen Phasen einen Fachplaner verlangen, die meisten dieser Tätigkeiten die Hausverwaltung überfordern. Darüber hinaus informierte sie über Regularien von WEG-Versammlungen.
Nach dieser erfolgreich verlaufenen Informationsveranstaltung sind, wie Kammerpräsident Schroeter bereits in seiner Begrüßung andeutete, weitere regionale Tagungen zu diesem Thema denkbar. Die von den Referenten gezeigten Powerpoint-Präsentationen stehen in Kürze hier bereit.
Text und Foto: Markus Bauer

► Rückblick: Energietage in Roth, Straubing und Schweinfurt

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